Seuzach

 

Aufgrund ihrer minimalistischen und eigenständigen Gestaltung hebt sich die Kirche St. Martin in Seuzach von den anderen Kirchenbauten ihrer Zeit ab. Als typischer Bau des Brutalismus wurde die Kirche von den bewährten und erfolgreichen Architekten Felix Loetscher und Robert Tanner erbaut, die zusammen mit der Bildhauerin Ro Studer-Koch den Kirchenraum als Gesamtkunstwerk gestalteten. 

 

Patrozinium   Hl. Martin von Tours
Baujahr 1972
Architekten   Felix Loetscher und Robert Tanner
Pfarreigrösse 2'900 
Politische Gemeinde 

Altikon, Dägeren, Dinhard, Hettlingen,
Seuzach und Thalheim a.d.Th. 

 

 




 

 

Website der Pfarrei

Wikipedia-Artikel

 

Geschichte

Die Katholiken, die sich im Nordosten des Kantons Zürich angesiedelt hatten, wurden ab 1907 von der Pfarrei St. Marien Oberwinterthur betreut. Als während des 2. Weltkriegs französische und polnische Soldaten in Seuzach stationiert waren, wurden im Saal des Gasthauses Linde katholische Sonntagsgottesdienste abgehalten, zu denen auch die Wohnbevölkerung eingeladen war.

Nach dem Fortgang der Soldaten wünschten sich die Katholiken von Seuzach den Bau einer Kirche vor Ort. Dafür gründete man 1959 die Stiftung St. Martin. Nach der staatlichen Anerkennung der katholischen Kirche im Kanton Zürich 1963 schlossen sich die Katholiken der Region zur Kirchgemeinde Rickenbach-Seuzach zusammen. 1968 erfolgte die Ausschreibung eines Architekturwettbewerbs für den Bau einer Kirche in Seuzach, den Felix Loetscher und Robert Tanner für sich entscheiden konnten. Am 3. Juli 1971 wurde der Grundstein für St. Martin gelegt, und nach nur einem Jahr Bauzeit konnte Bischof Johannes Vonderach das fertiggestellte Gotteshaus am 2. Juli 1972 einweihen. Im gleichen Jahr ernannte der Bischof St. Martin in Seuzach und St. Josef in Sulz-Rickenbach zu je eigenständigen Pfarreien.


Architektur & Kunst

Südöstlich der Ortsmitte gelegen, besteht das Bauensemble von St. Martin aus der Kirche mit darunterliegendem Pfarreizentrum, einem freistehenden Glockenturm und dem Pfarrhaus. An Turm und Kirche sind abgeschrägte Dachformen zu entdecken, welche sich bei den Lamellen der Oblichter wiederfinden.

Der charakteristische Innenraum wird ganz von den beiden Materialien Beton und Holz geprägt. Auffällig ist die Gestaltung der Tabernakelwand, die als kraftvoll strukturierter, gebündelter Pfeiler die Dachlast über dem Andachtsraum trägt. Ein Relief, das an der Tabernakelwand vom Boden bis zur Decke führt, bildet die Jakobsleiter. Altar und Ambo, welche das Zentrum des Kirchenraumes bilden, wurden ganz aus Beton gegossen. Der Taufstein greift die Formensprache des Altars auf und trägt ein Taufbecken, das von Robert Schoffat aus Fayence gestaltet wurde. Von Josef Caminada stammt das Vortragskreuz im Altarraum. Es nimmt die Farben des grossen Wandteppichs auf, der von Ro Studer-Koch anstelle einer Marienfigur geschaffen wurde. Für die Künstlerin war dieser Wandteppich auch ein Symbol für das Unterwegssein des Menschen auf Gott hin. 1983 wurde die ursprüngliche Ausstattung der Kirche durch eine Kopie der Krumauer Madonna ergänzt, deren Original um 1400 in Südböhmen entstand und sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet.