Horgen

 

Horgen ist die älteste Pfarrei am linken Seeufer auf Zürcher Gebiet. Die 1934 fertiggestellte Kirche St. Josef ersetzte einen kleineren Vorgängerbau und zeigt in ihrer wuchtigen Gestalt den Trend zum Monumentalismus, der in den 1930er Jahren auch den Sakralbau beider Konfessionen im Kanton erfasste. Damit sollte in einer unsicheren Zeit mit architektonischen Mitteln auf die Bedeutung der christlichen Botschaft und auf die sie im jeweiligen Gotteshaus vermittelnde Glaubensgemeinschaft hingewiesen werden.

 

Patrozinium   Hl. Josef
Baujahr 1934
Architekt   Anton Higi, Miroslav Sik (Umgestaltung)  
Pfarreigrösse 5'800
Politische Gemeinde 
Horgen 

 

 




 

Website der Pfarrei

Wikipedia-Artikel

 

Geschichte

Horgen ist die älteste Pfarrei am linken Seeufer auf Zürcher Gebiet. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung neue Arbeitsplätze schuf, zogen auch Katholiken aus der katholischen Innerschweiz ans Zürichseeufer. Für Gottesdienste mussten die Leute entweder bis nach Zürich fahren oder aber über die Kantonsgrenze
reisen. ­1865 wurde in Horgen eine erste Missionsstation gegründet. Parallel dazu entstand auf der rechten Seeseite die Missionsstation Männedorf. Die Missionsstation Horgen wurde fortan von den Geistlichen der Pfarrei Zürich betreut. Der Priester, der in Horgen die Sonntagsmesse feierte, fuhr anschliessend mit dem Dampfschiff über den Zürichsee nach Männedorf, um dort ebenfalls die Messe zu halten.

Im Sommer 1870 wurde der Bauplatz für die Kirche in Horgen gekauft und ab Frühling 1871 nach Plänen des Baumeisters Keller errichtet. Die erste Kirche St. Josef in Horgen besass 340 Sitzplätze. 1874 wurde St. Josef zur eigenständigen Pfarrei erklärt und ein Pfarrhaus errichtet. 1902 kam das Vereinshaus mit Unterrichtslokalen hinzu.

Die katholische Bevölkerung von Horgen, Oberrieden ZH und Hirzel wuchs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stetig an. Der Bau einer grösseren Kirche wurde immer vordringlicher. Da die politische Gemeinde das Bauland östlich der katholischen Kirche nicht verkaufen wollte,  mussten die Katholiken mit dem Kauf eines Landstreifens auf der südöstlichen Seite der alten St. Josefskirche Vorlieb nehmen. Durch den Abbruch der alten Kirche und des Pfarrhauses konnte eine neue Kirche, welche in südöstliche Richtung gebaut wurde, realisiert werden. 1932 gewann den Anton Higi den Architektur-Wettbewerb. 1933 erfolgte der Spatenstich für den Bau der neuen Kirche St. Josef. 1934 wurde die Kirche durch Bischof Laurenz Matthias Vincenz eingesegnet. Geweiht wurde die Kirche am 1965 durch Bischof Johannes Vonderach.

1967–1968 wurde das alte Pfarrhaus durch einen Betonbau ersetzt. 1978 und 2016/17 wurde die Kirche umfassend saniert.

Architektur & Kunst

St. Josef Horgen ist die erste katholische Kirche im Kanton Zürich, die klar dem Trend zum Monumentalismus folgt. Weithin sichtbar ist der 32 Meter hohe Kirchturm der Kirche St. Josef, dessen Turmkreuz eine Höhe von 6,50 Meter aufweist. Das Baumaterial Beton und die Gestaltung des Kirchengebäudes verleihen der Kirche St. Josef einen modernen Gestus mit stilistischen Anlehnungen auf das Bauhaus.

Durch die Portale auf der Nordwestseite des Gebäudes gelangt der Besucher durch einen Vorraum in die Kirche. Es handelt sich um einen einschiffigen Längsrechteckbau, der auf der südöstlichen Seite durch einen Rundchor abgeschlossen wird. Die Decke der Kirche wird durch Betonträger gegliedert. Die Rundbogenfenster im Kirchenschiff lassen das durch die Buntglasfenster gedämpfte Tageslicht in die Kirche eindringen.

Miroslav Šik gestaltete den Innenraum der Kirche St. Josef im Rahmen der Umbauarbeiten von 2016–2017 komplett neu und schuf damit eine Symbiose zwischen der Architektur von Anton Higi aus den 1930er-Jahren und den modernen Ausstattungselementen. Die bislang weiss gestrichenen Wände im Chor tragen nun 18'000 Buchstaben, die einen Text aus dem Matthäus-Evangelium verkünden. Altar, Ambo, Tabernakelsäule und Taufstein sind aus Tessiner Granit gefertigt. Die Türe des Tabernakels, die Evangeliar-Ablage, die Kerzenständer und die liturgischen Gerätschaften sind sorgfältig aus Messing gearbeitet. Die Metallarbeiten nehmen die Formen von Papyrus-Rollen auf und stellen dadurch wieder eine Verbindung zur Bibelinschrift an den Wänden des Chorraums her. Aus der ersten Kirchenausstattung erhalten geblieben sind die Marien- und die Josefstatue, die nun wieder an der Stirnseite des Hauptschiffes auf beiden Seiten des Chors angebracht sind.