Zurich Allerheiligen

Zürich Allerheiligen

Zurich Allerheiligen

Allerheiligen ist die erste Kirche des Bistums, die nach Inkrafttreten der Liturgiereform des II. Vatikanums eingeweiht wurde. An Allerheiligen lässt sich exemplarisch ablesen, wie die liturgischen Neuerungen die Architektur der katholischen Sakralbauten fortan veränderten. Geweiht wurde die Kirche allen Heiligen, womit nicht nur alle heiliggesprochenen Personen gemeint sind, sondern sämtliche Verstorben, da nach katholischem Verständnis jeder Mensch Anteil am Heil hat. Anlass zu diesem Patrozinium war die unmittelbare Nachbarschaft der Kirche zum weitläufigen Friedhof Nordheim, auf dem auch das gleichnamige Krematorium errichtet wurde, das grösste der ganzen Schweiz.

Patrozinium  Allerheiligen
Baujahr1964
Architekt  Karl Higi 
Pfarreigrösse3’300
Quartier
Zürich-Neuaffoltern 

Website der Pfarrei

Wikipedia-Artikel
 

Geschichte

Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Bevölkerung im Gebiet Neuaffoltern rasant zu. Deshalb erwarb die Pfarrei Bruder Klaus Zürich-Unterstrass bereits 1946 das Land für die heutige Kirche Allerheiligen. 1953 errichtete Architekt Karl Higi eine Notkirche, die an Weihnachten 1953 eingesegnet wurde. Nachdem auch das Pfarrhaus erstellt worden war, konnte 1963 mit der Realisierung der heutigen Kirche begonnen werden. Am 28. Juni 1964 wurde das Gotteshaus durch Bischof Johannes Vonderach eingeweiht und die Notkirche zum Pfarreisaal umgewandelt.


Architektur & Kunst

Allerheiligen gilt als exemplarisches Beispiel für den Brutalismus, einen Baustil, dessen Bezeichnung sich vom béton brut (Sichtbeton) ableitet. Auffallend hier sind die geschlossenen Kuben und Flächen, die durch lichtführende schmale Öffnungen aufgebrochen werden, sowie die zurückhaltende Gestaltung mittels schlichter Formen und Materialien im Innern. Neben dem Kirchendach erhebt sich der Turm, der wie die Kirche in Sichtbeton erbaut wurde.

Die Allerheiligenkirche zeigt – als erster Kirchenbau im Bistum, der nach dem Zweiten Vatikanum eingeweiht wurde – das neue Raumprogramm aller Kirchen, welche die Liturgiekonstitution räumlich umsetzen: Der Innenraum ist nicht mehr als Wegekirche gestaltet, sondern als Querbau, der die Gläubigen näher um den Altar versammelt und der Mahlgemeinschaft von Volk und Priester räumlichen Ausdruck verleiht. Ebenfalls aufgrund der Liturgiereform wurde der Taufstein nicht im Eingangsbereich der Kirche aufgestellt, sondern unmittelbar neben dem Altar. Auch wurde der Tabernakel erstmalig nicht mehr auf, sondern hinter dem Altar in einer  dafür konzipierten Nische. Das Ewige Licht und der Tabernakel wurden von Ferdinand Gehr geschaffen.

Die neuartige Gestaltung des Innern erregte einiges Aufsehen: Der wuchtige Baukörper, die rechtwinklige Platzierung der Bänke auf drei Seiten des Altares und die nüchterne Raumathmosphäre waren ungewohnt. Zwar besitzt die Kirche Buntglasfenster, doch befinden sich diese ausschliesslich im oberen Teil der rückseitigen Wand. Sie wurden von Karl Ammann geschaffen und zeigen Motive aus der Offenbarung des Johannes. Die drei übrigen Wände sind bis auf die Tabernakelnische fensterlos. Altar, Taufstein und der ursprüngliche Ambo wurden von Pierino Selmoni geschaffen. Um die Ebenbürtigkeit von Wortgottes- und Eucharistiefeier zu verdeutlichen, war der Altar ursprünglich nicht in die Mitte des Chorraums aufgestellt, sondern etwas nach rechts versetzt, und der Ambo kam als sein Gegenpart auf die linke Seite zu stehen.

Die von vielen als zu karg empfundene Ausstattung wurde 1979 durch Alfred Huber ergänzt. An der Chorwand brachte er ein grosses Kreuz mit dem Bildnis des auferstandenen Christus in Email an. Passend dazu schuf er aus demselben Material den Auferstehungs-Engel mit Posaune für die rechte Wand sowie die Kreuzweg-Stationen für die gegenüberliegende Seite.

Eine weitere Umgestaltung erfolgte 2009, als die alte Orgel von 1964 ersetzt werden musste. Das neue Instrument aus der Werkstatt von Bernhardt Edskes stellte man nahe beim Altar auf, womit man die enge Verbindung von Liturgie und Musik betonen wollte. Gleichzeitig rückte man den Altar wieder ins Zentrum. Der zweite Ambo wurde durch einen dritten – nun von Josef Caminada geschaffenen – ersetzt.

In die linke Seitenwand der Kirche ist die Marienkapelle eingebaut. Ihr Zentrum bildet eine Holzstatue der Muttergottes aus dem 14. Jahrhundert.


Krypta

Die Krypta befindet sich im Untergeschoss der Kirche. Mit dem grob verputzten quadratischen Betonraster an der Decke kommt auch hier der Stil des Brutalismus deutlich zum Ausdruck. Im Sockel des Ewigen Lichtes ist eine Reliquie des Hl. Bruder Klaus eingelassen. Ein weiteres Werk, das aus der ursprünglichen Gestaltung der Krypta erhalten geblieben ist, ist das Glasfenster von Max Rüedi. 2000 wurde die Krypta umgestaltet und erhielt einen Tabernakel und ein Weihwasserbecken von Josef Caminada.

© 2021 Buchprojekt "150 Jahre katholischer Kirchenbau im Kanton Zürich"