Winterthur StUlrich

 

Nach der vielbeachteten Neugestaltung der Kirche St. Josef in Winterthur-Töss baute das erfolgreiche Architektenduo Felix Loetscher und Robert Tanner im Winterthurer Rosenberg-Quartier die Kirche St. Ulrich als erste von insgesamt sieben Kirchenneubauten im Kanton Zürich.

 

Patrozinium   Hl. Ulrich von Augsburg
Baujahr 1971
Architekt   Felix Loetscher und Robert Tanner 
Pfarreigrösse 1'000
Quartier
Winterthur-Rosenberg

 

 




 

Website der Pfarrei

Wikipedia-Artikel

 

Geschichte

1960 erwarb die Winterthurer Kirchgemeinde das Grundstück im Rosenberg, auf dem dann die Kirche St. Ulrich errichtet wurde. Unter dem Vorsitz des Stadtbaumeisters Karl Keller wurden hierfür 21 Projekte geprüft. Als Sieger ging das Projekt «Oase» von Robert Tanner und Felix Loetscher hervor. 1969-1971 wurde das kirchliche Zentrum errichtet, das Bischof Johannes Vonderach am 21. März 1971 weihte. Auf den gleichen Tag hin erhob er St. Ulrich zum Pfarrrektorat und per 1. November 1971 zur Pfarrei. 2012/2013 wurde die Kirche samt Nebengebäuden durch Markus Jedele saniert.

Architektur & Kunst

Zwischen zwei stark befahrenen Strassen und in unmittelbarer Nachbarschaft des Einkaufszentrums Rosenberg erhebt sich St. Ulrich als formschöner und doch zurückhaltend gestalteter Sakralbau. Kirche, Pfarreizentrum und Pfarrhaus sind so angeordnet, dass sie die Besucher von der lärmigen Strasse und vom Einkaufszentrum abschirmen und über einen Innenhof in die ruhige Kirche leiten. Der wuchtige, aber nicht hohe Glockenturm überragt das Gotteshaus nur wenig, was an die Gestaltung etlicher turmloser Kirchen der 1970er Jahre erinnert. Das Innere wurde bewusst als leerer, luftiger Raum gestaltet. Die Fenster lassen viel Tageslicht in die weiss gestrichene Kirche eindringen, was ihre Gestalt je nach Tageszeit und Lichtverhältnisse ändert.

Die Architekten konzipierten das Innere von St. Ulrich in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin Ro Studer-Koch und schufen so ein Gesamtkunstwerk mit Symbolkraft: So versinnbildlicht die abgerundete Rückwand die Hand Gottes, welche die Gläubigen liebevoll bergend umfängt. Geprägt vom II. Vatikanum betont der Kirchenraum die Gemeinschaft der Gläubigen, die sich ohne hierarchische Distanz von Seelsorgern und Kirchenvolk um den Altar als Tisch des Brotes versammelt. Deshalb ist der Altar am niedrigsten Punkt des Raumes aufgestellt. Gleichzeitig verweist diese Positionierung auch auf die Menschwerdung Gottes, der als Jesus Christus in diese Welt hinabgestiegen ist. Der Altar besitzt zwölf Säulen, die an die zwölf Stämme des Volkes Israel, aber auch an die zwölf Apostel erinnern. Die Altarsäulen bestehen aus Eisenbahnschwellen, über die viele Menschen hinweggefahren sind. Sie tragen die Tischplatte, die aus neuem Holz gefertigt wurde. Dieses Getragenwerden des neuen Holzes durch das alte verweist darauf, dass die Kirche von heute auf den Leistungen früherer Generationen aufbaut. Der Taufstein ist als Taufbrunnen mit sprudelndem Wasser gestaltet; so wird das Jesuswort "Ich bin das lebendige Wasser" mit dem Sakrament der Taufe verbunden.

An den Kirchenraum ist eine Sakramentskapelle angefügt, die den Gläubigen die Möglichkeit bietet, vor dem Tabernakel zur Ruhe und zum Gebet zu kommen. Im Gegensatz zur Kirche wird in der Sakramentskapelle die Senkrechte betont. Der Tabernakel besteht aus einem Kreuz, das fast nur aus dem zum Himmel aufragenden Holz gebildet wird. Ein dritter sakraler Raum ist die Marienkapelle, die einer Hauskirche der ersten Christen nachempfunden ist. Ursprünglich war gedacht, dass sich die Gemeinde in diesem Raum um einen grossen Tisch sowohl zum Abendmahl als auch zum weltlichen Mahl hätte versammeln können. Diese Idee konnte sich jedoch nicht durchsetzen.
Bei der Sanierung von St. Ulrich im Jahr 2014 ergänzte Thomas Rutherford die ursprüngliche Gestaltung der Kirche durch zwei Kreuze: Das eine befindet sich im Kirchenraum und ist fest in der Erde, im diesseitigen Leben verankert, das andere ist ein neu geschaffenes Turmkreuz, das die Kirche mit dem Himmel verbinden soll.