Rheinau

 

Die Klosterkirche Rheinau gilt als eine der schönsten Barockkirchen der Schweiz. Erbaut wurde sie 1705–1710 vom Vorarlberger Baumeister Franz Beer. Auch die Konventsgebäude entstanden bis zu seinem Tod unter seiner Regie und wurden danach von seinem Sohn Johann Michael Beer fertiggestellt.

Das Kloster Rheinau war von seinen Anfängen bis zu seiner Aufhebung 1862 ein Ort von grosser Ausstrahlung. Die benediktinische Spiritualität, aber auch die im Kloster getätigten wissenschaftlichen Studien und nicht zuletzt dessen wirtschaftliche Bedeutung fanden bei seiner Aufhebung im Zuge des Kulturkampfs durch den Kanton Zürich ein jähes Ende. Die Klosterkirche wird heute als katholische Pfarrkirche genutzt.

 

Klostergründung zwischen 778 und 844
Klosteraufhebung 1862, seither Pfarrkirche
Architekt   Franz Beer
Pfarreigrösse 300
Gemeinde
Rheinau

 

 

 

 

 

 

Website der politischen Gemeinde Rheinau

Wikipedia-Artikel

 

Geschichte

Gegründet wurde das Kloster Rheinau nach einer legendenhaften Überlieferung 778. Praktisch zur selben Zeit, 854, trat der spätere Kirchenheilige von Rheinau, der Ire Fintan, als Mönch ins Kloster ein. Nach fünf Jahren liess er sich in einer Zelle einmauern und blieb dort als Inkluse 22 Jahre bis zu seinem Lebensende. Nach seinem Tod wurde er heilig gesprochen und 1114, als die romanische Klosterbasilika geweiht wurde, zum Schutzpatron des Klosters erhoben. Unter dem zunehmenden Druck des benachbarten klettgauischen Adels unterstellte sich die bis dahin reichsfreie Abtei 1455 dem Schutz der Eidgenossenschaft. 1529 griff von Zürich her die Reformation auf Rheinau über; die Mönche wurden zum Auszug gezwungen, doch konnten sie auf Druck der Innerschweizer Kantone bereits 1531 zurückkehren, und das Kloster entwickelte sich darauf zu einem Zentrum der Gegenreformation.
Im 18. Jahrhundert erlebte Rheinau, ähnlich wie das Kloster St. Gallen, eine späte Blüte. Unter Abt Gerold II. Zurlauben und seinen Nachfolgern wurde der gesamte Gebäudekomplex bis Mitte des 18. Jh. in barockem Stil prunkvoll neu errichtet.
Während der Wirren nach dem französischen Einmarsch in die Schweiz 1798 wurde das Kloster aufgelöst. 1834 zog ein kantonaler Vermögensverwalter ein, 1836 wurde die Aufnahme von Novizen verboten, und 1862 beschloss der Kantonsrat die endgültige Aufhebung der Abtei. In den Räumlichkeiten wurde 1867 eine Heil- und Pflegeanstalt eingerichtet, die als kantonale psychiatrische Klinik auf der Insel bis 2000 bestand.

 

Architektur & Ausstattung

Die Klosterkirche Rheinau gilt als eine der schönsten Barockkirchen der Schweiz. Errichtet wurde sie 1705–1710 vom Vorarlberger Baumeister Franz Beer. Merkwürdig fremd und – abgesehen von den Dachhauben – unbarock erscheinen die beiden Türme: Sie haben in den Fenstern gotisches Masswerk und wirken ausgesprochen wehrhaft. Tatsächlich wurde der Südturm bereits 1572–1578 erbaut. Abt Gerold II. Zurlauben, der den Neubau des Klosters bis ins Detail bestimmte, liess den Nordturm als dessen genaue Kopie erstellen. Im Südturm befand sich übrigens der Haupteingang in das Münster von 1114.

Die Kirche ist eine siebenjochige Wandpfeilerhalle. Das Quer- und das Altarhaus sind leicht erhöht und durch ein barockes Gitter vom Langhaus abgetrennt. Beim Eintreten beeindrucken als Erstes die prächtigen Seitenaltäre, die wie Nebenkulissen auf den Hauptaltar ausgerichtet sind. Dieser wurde anlässlich des goldenen Priesterjubiläums von Abt Gerold II. geweiht und zeigt auf seinem Altarbild die Himmelfahrt Mariens.
Das Tonnengewölbe des Hauptraums ist durch Gurten gegliedert und trägt Stuckarbeiten von Franz Schmuzer aus Wessobrunn, einem der damals bedeutendsten Stuckateure von Süddeutschland. Die Fresken zwischen den Gurten an der Decke schuf Francesco Antonio Giorgioli aus Melide. Sie schildern, nach genauen Vorgaben von Gerold II., das Leben der Gottesmutter Maria.
Die tropfenförmigen Fresken in den Zwickeln sind den vier Evangelisten sowie den vier Kirchenvätern gewidmet. In den Tonnengewölben zwischen den kräftig modellierten Wandpfeilern ist die Geschichte Christi dargestellt und im Querhaus seine Geburt sowie die Anbetung durch die drei Hl. Könige.
Die Seitenaltäre stammen aus der Zeit vor 1750. Während die älteren noch die strengeren Formen des Hochbarocks zeigen, wurden die jüngeren freier gestaltet und scheinen den traditionellen Aufbau barocker Altäre bereits in Frage zu stellen.
Die Kirche wurde 1973–1991 umfassend saniert, die letzte Renovation der Türme erfolgte 2009 und die des Innern (Fresken, Verputz und Altäre) 2016.

Die Orgeln

Die beiden Orgeln in der Rheinauer Klosterkirche sind nach einer Hausorgel aus dem 15. Jahrhundert die ältesten Orgeln im Kanton und bilden gleichzeitig auch dessen ältestes Orgelensemble. Die Hauptorgel von Johann Christoph Leu stammt aus den Jahren 1713–1715. 1840/1841 wurde die Orgel von Friedrich Haas nach dem Stilempfinden der Romantik verändert. Mendelssohn soll sie sehr gefallen haben. Wegen späterer, stark störender Eingriffe stellte man bei der letzten Restaurierung 1988–1990 den Originalzustand von 1715 wieder her.
Die Chororgel ist als Gegenstück zum Fintansgrab auf der anderen Chorseite konzipiert. Sie wurde 1709/1710 von Johann Christoph Albrecht gebaut und 1746 durch Johann Conrad Speisegger weitgehend erneuert. Nach der Aufhebung des Klosters wurde sie bald unspielbar und teilweise geplündert. Nach einer ersten Restaurierung in den Jahren 1944/1945 wurde sie 1990/1991 durch die Orgelwerkstatt Kuhn überholt mit dem Ziel, den Zustand von 1746 wiederherzustellen.